Dancing in the Sky

Der Schamane wird mich schon gesund machen

 

Wegen einer Nebenhöhlenentzündung entschied ich mich zu einem Besuch bei einem Schamanen. Mit einem Freund, der für mich übersetzen würde, machte ich mich auf den Weg.

 

Er führte mich über Höfe, durch verschiedene Häuser und vorbei an Familien, die gerade beim Essen saßen. Dann ging es eine wirklich sehr alte, wackelige Stiege hinauf. Und da saß er dann endlich: der Schamane. Er saß auf dem Boden in einem sehr einfachen Zimmer, in dem er offenbar auch lebte.

 

Unsicher nahm ich vor ihm auf dem Boden Platz. Meine Leidensgeschichte war in der weichen, rollenden Sprache des Newari schnell erzählt. Dann schaute mir der Schamane intensiv ins Gesicht.....

 

Mit leise murmelnder Stimme sprach er meinen Begleiter an. Dieser übersetzte mit einem leicht verlegenen Lächeln: „Er sagt, er kann nichts tun.“

 

„WAS?? Er soll mich doch nur gesund machen, dass hat er doch schon öfter getan bei viel schwierigeren Krankheiten. Eine Nebenhöhlenentzündung, du meine Güte, das wird er doch wohl hinkriegen!“ „ Nein“, ist die Antwort, „er sagt, du hast die falsche Einstellung.“ Na prima!. Jetzt brauchte ich auch noch eine bestimmte Einstellung, um gesund zu werden. Ich war ungeduldig, denn ich wollte in zwei Wochen nach Tibet fliegen. Darüber informierte ich den Schamanen. “Es wird wehtun“, meinte er. „Du kannst dich selber gesund machen, aber erst im nächsten oder übernächsten Jahr.“


Selbstverantwortung - ein Lebenskonzept oder nur

ein Wort? 

 

Was ist das wohl für eine wundersame Behandlung!?, dachte ich verstimmt. Ich hatte doch mit seiner Hilfe gerechnet. War mir doch zu Hause in Deutschland klar geworden, dass ich den Sand vom Manasarow wirklich wieder zurückbringen wollte. Ich wusste, dass ich dafür nach Hochtibet fahren musste und dass es sehr anstrengend werden würde. Und über die Chora um dem Kailash herum hatte ich nun auch einiges gelesen und fühlte mich gerufen. Daher wollte ich gesund und voller Kraft sein, wenn unser Flug nach Tibet ging.

 

Heute ist mir klar, dass ich gern die Verantwortung für mich selber abgeben wollte an einen Schamanen. Ein guter Schamane wird das nie geschehen lassen. Heute ist mir auch wieder ganz klar, dass Prozesse ihre Zeit brauchen. Damals wollte ich nur die Schmerzen loswerden und weiterreisen können. Ich las und hörte von den Schwierigkeiten, in einer Höhe an die 6000m über einen längeren Zeitraum dies gesundheitlich zu bewältigen.

 

Ich wollte möglichst fit und gesund sein. Dieses Wissen beschäftigte mich bereits seit zwei Jahren. Auch wollte ich wirklich ohne Belastung für meinen Mann, der ebenfalls die Chora gehen wollte, diese Reise erleben. Immer wieder nahm ich mir in der Zeit vor: Morgen beginne ich damit zu walken. Walken sollte eine sehr gesunde und moderne Form der sportlichen Wanderung sein. Rückenfreundlich, figurfreundlich, muskelfördernd...Morgen, wirklich..., ich werde noch mehr Yoga machen, .... morgen... fange ich an.


Doch stand wieder der Beginn des nächsten Seminars an. Völliges Einsteigen in ein Thema, völlige Hingabe, das vollkommene Vergessen des Alltags, des Privatlebens war normal für mich. Ich war wieder der "dancer in the sky", selbstverloren, hingegeben an das was mein Leben war.

 

So zogen die zwei Jahre, die ich mir für die Vorbereitung bewusst genommen hatte, an mir vorüber. Sehr, sehr schnell waren sie vorbei. Und als es endlich losging mit dieser besonderen Reise, war ich krank, wie der Schamane meinte, würde ich weitere zwei Jahre brauchen, um gesund zu werden. Diese Zeit wollte ich mir nicht nehmen, ich  hatte Pläne und so stieg ich mit meinem Rucksack in das Flugzeug, das uns nach Tibet brachte.

Ausstieg aus meiner weiblichen Welt

 

Ja und weitergereist bin ich dann auch. Iswor, ein wunderbarer Apotheker und sehr guter Freund, rüstete mich mit allen möglichen Medikamenten aus. Damit stieg ich wieder einmal in ein Flugzeug, das mich weit, weit weg brachte. Die ersten Tage waren wunderbar. Ich war froh, in Tibet zu sein. Diese Entscheidung, die ich vor längerer Zeit getroffen hatte, nun endlich leben zu können. Bereits in Nepal legte ich meine feinen Kurtas  - lange farbenfrohe Hemden über superweiten Hosen - ab. Dann übergab ich meinen Schmuck dem Safe. In meinem Rucksack waren nur ein Shampoo und eine Creme. Ich zog robuste Trekkinghosen und farbig dezente, dafür atmungsaktive T-Shirts den weiblichen wunderschönen Kleidungsstücken vor. Es brachte mir auch ein Gefühl von Erleichterung auszusteigen aus der weiblichen Welt.


Die ältesten Klöster der Welt

 

 

 

Unser erster Tag brachte uns zum dem heiligen Fluß Brahmaputra .Wir überquerten ihn auf einem einfachen Holzboot zusammen mit einigen Tibetern, um zum Kloster „Sanje“ zu kommen, eines der ältesten Monastris in Tibet – ca. 2000 Jahre.

 

 

 

Nach meinen Erfahrungen im Potala und hin und wieder auch in anderen  Klöstern hatte ich gelernt, mit dem Besuch der Klöster vorsichtig zu sein. In einigen von ihnen schien es „etwas“ zu geben, das mich in Prozesse brachte, die ich so kurz vor der Kailash-Umrundung nicht brauchen konnte. In Samje blieb ich daher erst einmal ziemlich lange außerhalb der Tempelmauern. Ich saß da und beobachtete die Menschen.

 

 

Dann erst, ganz langsam, ging ich in den großen, alten Gebetsraum. Er war dunkel, kaum konnte ich die langen aufgereihten Bänke sehen,


auf denen ich mir die Mönche bei einer Puja – (eine tibetische Musikmeditation) vorstellte. Riesengroße runde und vor vielleicht 100 Jahren mal sehr farbige Geisterfänger aus Stoff hingen von der Decke und schaukelten langsam und gemächlich im Wind, der durch die offene, ebenfalls riesengroße ehemals rote  Doppeltür des Tempels hineinwehte. Auf den Bänken lagen kleine Haufen zusammengerollter Mönchsmäntel. Das sah unheimlich aus in diesem geisterhaften Licht. Ich blieb lange an der Tür stehen und schaute mich erst einmal um. Hier würde ich keine Rituale durchführen. Ich verließ den Raum  und ging von außen um das Gebäude herum. Das fühlte sich sehr friedlich an. Ich sah Menschen, die hier lebten, Wiesen und fühlte Ruhe. So wurde ich erst einmal nicht berührt von dem Hauch, dem ich im Potala den Namen „Das Alte der Erde“ gegeben hatte. Die Tempelküche erhielt diesmal, bei meinem bereits dritten Besuch dieses Tempels, meine ganze Aufmerksamkeit. Es schmeckte richtig gut in diesem hellen, fast modernen, nüchternen Raum.

 

In den nächsten Tagen besuchte ich viele tibetische Klöster, Monastris genannt. Ich konnte einfach nur dort sein, den Tibetern bei ihren religiösen Verrichtungen zuschauen, oder auch daran teilnehmen. Ich ging in jedes Monastri mit hinein. Meine Gebetskette, die ich mir in Boudanath, dem heiligen tibetischen Tempelort in Nepal extra für die Reise gekauft hatte, kam so mit vielen Gottheiten in Berührung. In den Potala ging ich auf dieser Reise nicht. Stattdessen habe  ich wieder den Jokhang besucht. 

Grenzen erfahren

 

Der Jokhang ist der  älteste Tempel von Lhasa. Ich sah viele Tibeter aller Altersgruppen, die vor dem Jokhang Niederwerfungen durchführten. Sich immer wieder auf ihre Knie, die Hände, den ganzen Körper niederlassend – und aufstehend, immer wieder. Die Stirn kam jedes Mal mit einem leichten Ruck mit dem Boden in Berührung. Einige der Menschen hatten an dieser Stelle eine ziemliche Verdickung. Ich war wirklich fassungslos, diese tiefe Verehrung, diese unglaubliche Religiosität wahrzunehmen, erleben zu dürfen. Langsam und vorsichtig ging ich durch die Tibeter hindurch in den Tempel hinein. Ich stand ziemlich hilflos vor einer sehr großen geschlossenen Tür. Durfte ich da hinein? Eine alte Tibeterin nahm mich an die Hand, zeigte auf meine Schuhe und meinen Hut. Ich verstand: „Aha, ausziehen und abnehmen also“.


Dann ging ich Hand in Hand mit der alten Frau in den dunklen, nur von wenigen Öllämpchen erhellten Raum hinein. Sie zog mich entschlossen hinter sich her, während sie ihrer Familie mit leicht schnarrender Stimme irgendetwas erzählt. Hörte sich so an wie: „Europäerin, weiß nicht was sie tut, müssen ihr helfen, hihih“. „Liebe tibetische Frau“, dachte ich,  „hier gibt es doch so  viele Touristen und ich bin von allem hier schon wirklich sehr gut überfordert, warum gerade ich“?? 

 

 

 

Da mein tibetisch sich auf gar nichts beschränkte, fügte ich mich in mein religiöses Schicksal. Durch dunkle Gänge wurde ich hinterhergeschleift, um mich herum nur Tibeter, alle mit recht schnellen Schritten, Mantras murmelnd. Wir kamen in etwas helleres Licht, ich sehe kurz eine europäische aussehende Reisegruppe, schon ging es wieder hinein in die Dunkelheit. Eigentlich war ich ein wirklich spiritueller Mensch, ich wusste auch, dass es bestimmt auf meiner Karmatafel gut ankommt, wenn ich die 108 Umrundungen durch den Jokhang darauf verzeichnen könnte. Aber ich konnte nicht mehr. Mir war schlecht. Ich hatte Angst vor den Ratten, die offenbar auch ihr Karma verbessern wollten und mit uns um die Wette rannten. Beim nächsten Licht bereitete ich mich auf meine Flucht vor. Entschlossen entriss ich der Tibeterin meine Hand und sendete ihr einen entschuldigenden Blick. Ich lief recht unsicher die schmalen ausgetretenen Marmorstufen auf das Dach des Tempels hinauf. Luft, Licht, Europäer. Gerettet!!!

 

Gott, Buddha, Tara...rette mich!

 

 

 

Ich kaufte mir eine vertraute Cola und setzte mich in eine Ecke auf den Boden, mit dem Rücken an die Wand eines kleinen auf dem Dach stehenden Häuschen gelehnt. Hier war es ruhig, die Touristen hatten andere Wege gewählt. Ich hatte einen guten Ausblick und die Luft war gut. Es gab keine ranzigen Yakbuttergerüche. Hier war meine Seele sicher. Hier konnte ich mich erholen.

 

 

 

Aber schon war es mit der Ruhe vorbei. Ein Mönch steuerte entschlossen auf mich zu. Ich hoffte, er würde an mir vorübergehen, aber nein, er setzte sich vor mich und schaute mir tief in die Augen. Was begann denn nun wieder? Im Tempel befanden sich alle möglichen Touristen: Japaner, Chinesen, Europäer. Sie bummelten herum oder saßen wie ich auf der Erde und schauten sich um. Ich würde so gerne einfach nur meine Ruhe haben. Jede Begegnung rüttelte mich tief auf. Ich wurde berührt, meine Seele wurde immer mehr aufgeweckt. Das empfand ich als sehr anstrengend. Der Mönch fuchtelte mit der Hand vor mir herum. Ich verstand ihn nicht. Wenn ich ihn lang genug nicht verstehe, geht er vielleicht wieder, dachte ich. Schließlich fasste er in seine Tasche und holte seinen Pass hervor. 

 

 

Und nun?, dachte ich. Gut, ich holte auch meinen Pass hervor. Er nahm ihn mir weg. Hilfe!!!! Ich wurde verhaftet von einem tibetischen Mönch auf dem Dach des Jokhangtempels. Ich werde in ein chinesisches Hochsicherheitsgefängnis geworfen werden.


Ich werde verhungern. Ach, nein, Gott, Buddha, Tara ich danke dir. Der Mönch hob meinen Pass segnend an seine Stirn. Von mir erwartete  er dann offensichtlich das gleiche mit seinem Pass. Gut, das war zu schaffen. Ich weiß zwar nicht, warum ich seinen Pass segnend an meine Stirn heben sollte, aber gut. Auch ist mein Pass noch nie gesegnet worden. Aber wer weiß es schon, es wird schon für irgend etwas gut gewesen sein. Endlich ging er, müde sackte ich in mir zusammen. Nach einiger Zeit verließ ich langsam den Tempel und machte mich auf den Weg in mein hoffentlich sicheres Zimmer. 

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